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Research

Gemeindefusionen in der Schweiz: Evaluation der wirtschaftlichen, demokratischen und gesellschaftlichen Effekte

Authors:

Curdin Derungs ,

Fachhochschule Graubünden, CH
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Ursin Fetz

Fachhochschule Graubünden, CH
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Abstract

In the political debate and research of the last 20 years, the economic, democratic and social effects of municipal mergers have been discussed controversially and focused on individual aspects. The present study evaluates the development of 46 mergers of municipalities in five cantons, which in turn represent 117 former municipalities, according to ten criteria. For this purpose, 47 indicators are used and surveys of over 10,000 voters are taken into account. Empirically, the main improvements can be demonstrated in terms of professionalization, external impact and economic attractiveness of the new municipality. As far as financial performance is concerned, the results are ambiguous. On the other hand, there is a trend towards a decline in proximity to citizens and in political engagement. With regard to participation/inter-municipal cooperation, ‘nepotism’ as well as social integration and identification with the municipality, the state prior to and after the merger of the municipalities remain largely stable. The analysis of various group characteristics also shows that the framework conditions, such as the size of the municipality, the type of municipality or the number of municipalities involved in the merger, can influence the effects of the merger, but only selectively. Finally, it can be concluded from the results of the population survey that municipal mergers tend to be viewed critically, but that the changes caused by the merger are hardly noticed. Overall, the potential economic, democratic and social effects of municipal mergers, whether positive or negative, are limited. Hopes and fears must be put into perspective on the basis of the available results.

 

Abstrakt

In der politischen Diskussion und in der Forschung der letzten 20 Jahre wurden wirtschaftliche, demokratische und gesellschaftliche Effekte von Gemeindefusionen kontrovers und mit Fokus auf einzelne Aspekte diskutiert. Die vorliegende Studie evaluiert für 46 untersuchten Gemeindefusionen in fünf Kantonen, die wiederum 117 altrechtliche Gemeinden repräsentieren, die Entwicklung in zehn Kriterien. Dazu werden 47 Indikatoren verwendet sowie Befragungen von über 10‘000 Stimmberechtigen berücksichtigt. Empirisch lässt sich vor allem eine Verbesserung in der Professionalisierung, Aussenwirkung und Standortattraktivität nachweisen. Für die finanzielle Leistungsfähigkeit sind die Ergebnisse zweideutig. Demgegenüber ist tendenziell ein Rückgang in der Bürgernähe und im politischen Engagement zu beobachten. Bezüglich Mitwirkung/Interkommunale Zusammenarbeit, «Filz»/«Vetternwirtschaft» sowie der sozialen Integration und Identifikation mit der Gemeinde bleiben die Verhältnisse vor und nach der Gemeindefusion mehrheitlich stabil. Aus der Analyse verschiedener Gruppenmerkmale wird zudem ersichtlich, dass die Rahmenbedingungen wie z.B. die Gemeindegrösse, der Gemeindetyp oder die Anzahl an der Fusion beteiligten Gemeinden die Fusionseffekte beeinflussen können, allerdings nur punktuell. Schliesslich lässt sich aus den Ergebnissen der Bevölkerungsbefragung schliessen, dass Gemeindefusionen tendenziell kritisch betrachtet, die fusionsbedingten Veränderungen aber kaum wahrgenommen werden. Insgesamt halten sich die potenziellen wirtschaftlichen, demokratischen und gesellschaftlichen Effekte von Gemeindefusionen – seien diese positiv oder negativ – in Grenzen. Sowohl die Hoffnungen als auch die Befürchtungen sind aufgrund der vorliegenden Ergebnisse zu relativieren.

 

Résumé

Dans le débat politique et la recherche de ces 20 dernières années, les effets économiques, démocratiques et sociaux des fusions de communes ont fait l’objet de controverses et ont été centrés sur des aspects individuels. La présente étude évalue le développement de 46 fusions de communes dans cinq cantons, qui représentent à leur tour 117 communes anciennes, selon dix critères. À cette fin, 47 indicateurs sont utilisés et des enquêtes auprès de plus de 10 000 électeurs sont prises en compte. Empiriquement, les principales améliorations peuvent être démontrées en termes de professionnalisation, de l’image publique et d’attractivité du lieu. En ce qui concerne les performances financières, les résultats sont ambigus. D’autre part, on observe une tendance au déclin de la proximité aux citoyens et de l’engagement politique. En ce qui concerne la participation/coopération intercommunale, le ‘népotisme’, l’intégration sociale et l’identification avec la municipalité, la situation avant et après la fusion de communes restent largement stable. L’analyse des différentes caractéristiques des groupes montre également que les conditions cadres, telles que la taille de la commune, le type de commune ou le nombre de communes concernées par la fusion, peuvent influencer les effets de la fusion, mais seulement de manière sélective. Enfin, on peut conclure des résultats de l’enquête auprès de la population que les fusions de communes ont tendance à être considérées de manière critique, mais que les changements provoqués par la fusion sont à peine remarqués. Dans l’ensemble, les effets économiques, démocratiques et sociaux des fusions sont limités qu’ils soient positifs ou négatifs. A la base des résultats disponibles, tant les espoirs que les craintes doivent être relativisés.

 

 

Schlagwörter: Gemeindefusionen; Fusionseffekte; Gemeinden; Gemeindereformen

Mots-clés: fusions de communes; effets de fusion; communes; réformes communautaires

How to Cite: Derungs, C., & Fetz, U. (2020). Gemeindefusionen in der Schweiz: Evaluation der wirtschaftlichen, demokratischen und gesellschaftlichen Effekte. Jahrbuch Der Schweizerischen Verwaltungswissenschaften, 11(1), 108–128. DOI: http://doi.org/10.5334/ssas.131
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  Published on 20 Aug 2020
 Accepted on 15 Jul 2020            Submitted on 27 Sep 2019

1 Ausgangslage

Die Gemeindelandschaft in der Schweiz bewegt sich. Seit dem Jahr 2000 sind mehr als 20% der politischen Gemeinden verschwunden (vgl. Abbildung 1). Das sind doppelt so viele wie in der gesamten Zeit seit der Gründung des Bundesstaates 1848. Am 1. Januar 2020 waren noch 2‘202 politische Gemeinden zu verzeichnen. Grund für die anzahlmässige Reduktion sind Gemeindefusionen. Diese Entwicklung wird sich vermutlich weiter fortsetzen. Deshalb ist es gerechtfertigt, nach bald 20 Jahren intensiver Fusionsbemühungen eine Standortbestimmung vorzunehmen. Die Schweiz verfügt im internationalen Vergleich immer noch über verhältnismässig kleine und heterogene Gemeinden, die sich in der Grösse, Art und Organisation stark unterscheiden (Rühli 2012: 15).

Abbildung 1 

Entwicklung Anzahl Gemeinden und Gemeindegrösse in der Schweiz.

Der anhaltende Fusionstrend ist «bottom-up» entstanden, auch wenn ein mehr oder weniger starker kantonaler Druck mitgeholfen hat, Fusionsprozesse einzuleiten. Mit Blick auf die Situation in den einzelnen Kantonen fällt auf, dass seit dem Jahr 2000 in 15 Kantone Fusionen vollzogen worden sind.1 Ausnahmen finden sich vor allem in der Innerschweiz. Umgekehrt tragen die Kantone Tessin, Graubünden und Freiburg überproportional zum Gemeinderückgang bei. In anderen Kantonen wiederum sind erste Fusionsbemühungen angelaufen wie z.B. in den Kantonen Aargau und Zürich. Die radikalste Gemeindestrukturreform der letzten Jahrzehnte fand im Kanton Glarus statt, wo seit 2011 nur noch drei Gemeinden bestehen.

2 Stand der Forschung

Im Abstimmungskampf vor Gemeindefusionen sind schweizweit immer wieder ähnliche Argumente zu hören. Fusionsbefürworter streichen die positiven Effekte auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und auf die Qualität der Demokratie hervor. Fusionsgegner argumentieren in der Regel mit den Nachteilen bei den gesellschaftlichen bzw. «weichen» Faktoren. In der Forschungsliteratur liegen hierzu fusionsspezifische Untersuchungen zu verschiedenen Effekten aus zahlreichen Ländern mit unterschiedlichen strukturellen Voraussetzungen und politischen Rahmenbedingungen vor (vgl. Übersicht in: Derungs & Fetz 2018a, Tavares 2018: 6).

Wirtschaftliche Effekte

Am Häufigsten wurden die wirtschaftlichen Effekte untersucht. Im Fokus stehen die ökonomische Effizienz von Gemeindefusionen in Form von Kosteneinsparungen und Grössenvorteilen (‘economies of scale’) oder die Qualitätsverbesserungen und Angebotsausdehnung von öffentlichen Leistungen (‘economies of scope’, vgl. Übersicht in: Gendźwiłł et. al. 2020). Für die Schweiz kommen Steiner und Kaiser (2017) zum Schluss, dass sich die finanzielle Situation bei Gemeindefusionen nicht signifikant verbessert (ähnlich in: Studerus 2016). Eine neuere Studie zur Glarner Gemeindereform findet zumindest für bestimmte Aufgaben finanzielle Einsparungen (Hofmann & Rother 2019). Nach Studerus (2016, für Gemeinden aus der ganzen Schweiz) sowie Moser und Fischer (2010, für Graubünden) trifft dies vor allem auf die allgemeinen Verwaltungskosten pro Kopf zu, die durch eine höhere Einwohnerzahl fusionsbedingt sinken. Derungs und Fetz (2018b) allerdings stellen für die Gemeinden des Fürstentums Liechtenstein grössere Effizienzpotenziale fest. Sie simulieren Einsparungsmöglichkeiten von 3% bis 6% des Netto-Aufwandes, wobei diese auch durch eine verstärkte interkommunale Zusammenarbeit zu erreichen wären. Insgesamt zeigen die empirischen Erkenntnisse zu den finanziellen Auswirkungen von Gemeindefusionen in der Schweiz ein gemischtes Bild. Dies zeigt sich auch in weiteren Studien: Auf der einen Seite identifizieren beispielsweise Moisio und Uusitalo (2013) bei Gemeindefusionen in Finnland keine niedrigeren Pro-Kopf-Ausgaben. Auf der anderen Seite stellt Reingewertz (2012) bei fusionierten Gemeinden in Israel tiefere Ausgaben im Umfang von rund 9% fest. In einer Meta-Analyse von 52 Fusionsstudien kommt Tavares (2018:1) zusammenfassend zum Schluss, dass finanzielle Einsparungen vor allem in der allgemeinen Verwaltung anfallen und insgesamt bescheiden bleiben. Zugleich findet er in der internationalen Forschungsliteratur Hinweise darauf, dass die Dienstleistungsqualität durch Gemeindefusionen nicht beeinträchtigt, sondern tendenziell verbessert wird (Tavares 2018:11). Für die Schweiz zumindest lässt sich dies beobachten, d.h. mit Gemeindefusionen gehen in der Regel ein Ausbau des Dienstleistungsangebots und eine Verbesserung der Dienstleistungsqualität einher (vgl. Steiner 2002, keine Evidenz dafür in: Studerus 2016). Steiner und Kaiser (2017) belegen ausserdem, dass Gemeindefusionen die Professionalität in den Gemeindeverwaltungen erhöhen (ähnlich auch in: Fetz & Derungs 2016). Weiter werden die flexiblere Raumplanung in fusionierten Gemeinden und die einfachere Internalisierung von zentralörtlichen Leistungen als positive Effekte von Gemeindefusionen hervorgehoben. Diese sollen fusionsbedingt die wirtschaftliche Entwicklung von Gemeinden stimulieren und sich damit positiv auf die Standortattraktivität auswirken. Die wenigen Studien hierzu finden meistens Belege für eine positive Auswirkung von Fusionen auf die wirtschaftliche Entwicklung – z.B. auf die Wirtschaftsleistung (Tang & Hewings 2017 für China), auf das Bevölkerungseinkommen (Hall et al. 2017 für USA) oder auf die Häuserpreise (Lima & Neto 2018 für Brasilien). Andere Untersuchungen erkennen keinen systematischen Zusammenhang zwischen Gemeindefusionen und Standortattraktivität (z.B. Studerus 2016 für die Schweiz).

Demokratische Effekte

Im Schweizer Kontext werden in der Forschung verschiedene Formen von demokratischen Effekten untersucht. So gibt es empirisch belegte Hinweise, dass die Rekrutierung von Behördenmitgliedern fusionsbedingt nicht zwingend vereinfacht wird (Fetz 2009, ähnlich für Deutschland in: Roesel 2017). Hingegen wird die Anzahl Unterschriften zur Einreichung einer Initiative oder eines Referendums nach der Fusion tiefer angesetzt, was gemeinhin als Verbesserung der Qualität der Demokratie interpretiert wird (Fetz 2015). Demgegenüber halten Ladner und Bühlmann (2007) fest, dass die Demokratiequalität unter Gemeindefusionen leidet und die politische Partizipation bei ansteigender Gemeindegrösse tendenziell abnimmt. Dabei stellen Koch und Rochat (2017) bei Gemeindewahlen in Fusionsgemeinden eine sinkende Wahlbeteiligung und eine Delokalisierung des Parteiensystems fest. Auch im internationalen Kontext verweisen die meisten Studien auf negative demokratische Effekte (vgl. Tavares 2018: 11): So führt in Dänemark eine durch Gemeindefusionen gestiegene Bevölkerungszahl zu einem tieferen politischen Vertrauen (Hansen 2013, 2015). Zudem fühlt sich die dänische Bevölkerung dadurch weniger im Stande, politische Prozesse verstehen und mitgestalten zu können (Lassen & Serritzlew 2011). Vereinzelte Forschungsarbeiten erkennen hingegen keinen fusionsbedingten Niedergang der lokalen Demokratie (z.B. Steiner & Kaiser 2017: 244 für die Schweiz) – oder gar eine positive Entwicklung (Spicer 2012 für Kanada) – und erachten etwaige Befürchtungen in der Praxis als unbegründet (z.B. Aulich, Sansom, & McKinley 2013: 13 für Australien).

Gesellschaftliche Effekte

Die gesellschaftlichen Veränderungen, die von Gemeindefusionen potenziell ausgehen, sind vielfältig. Entsprechend werden auch in der Forschung unterschiedliche Aspekte diskutiert und hervorgehoben. Erstens steht das Verhältnis von Bürger/innen und lokaler Verwaltung resp. Gemeindeexekutive im Vordergrund. Für die Schweiz leiden – gemäss den Ergebnissen von Steiner und Kaiser (2019: 246) auf Basis einer Befragung von Gemeindeschreiber/innen – fusionierte Gemeinden nicht an einem Verlust an Bürgernähe. Die meisten Forschungsarbeiten aus anderen Ländern kommen hingegen zu einem gegenteiligen Schluss (vgl. Tavares 2018: 11). Zweitens wird untersucht, wie die Gemeindefusion die Einbindung der Bevölkerung in das kommunale Leben beeinflusst. Ladner und Bühlmann (2007) zeigen für die Schweiz, dass die soziale Integration bei fusionierten, grösseren Gemeinden geringer ist, aber kein signifikanter Zusammenhang zwischen der Gemeindegrösse und der Zufriedenheit der Bevölkerung besteht. In einem ähnlichen Zusammenhang steht die Studie von Denters et al. (2014). Demnach sank in Norwegen, Dänemark und den Niederlanden bei zunehmender Gemeindegrösse unter anderem die soziale Einbettung, aber auch die Zufriedenheit mit den lokalen Behörden nahm ab. Schliesslich liegen wenige Untersuchungen zur Identifikation der Bevölkerung in Fusionsgemeinden vor. Für Ontario (Kanada) stellen Kushner und Siegel (2003) fest, dass sich für den Grossteil der Bevölkerung die emotionale Bindung an die Gemeinde durch die Gemeindefusion nicht verändert hat. Darüber hinaus verdeutlichen sie (Kushner & Sigel 2005) die zentrale Rolle der Identifikation für den wahrgenommenen Erfolg von Gemeindefusionen. Zu ähnlichen Ergebnissen kommen Jones und Soguel (2010) für die Zustimmung der Bevölkerung zu Gemeindefusionen im Kanton Neuenburg sowie Soguel und Silberstein (2015) für ausgewählte Städte in der Westschweiz.

Insgesamt fallen die Forschungsergebnisse der letzten 20 Jahre zu den wirtschaftlichen, demokratischen und gesellschaftlichen Effekten von Gemeindefusionen divers und teilweise widersprüchlich aus. Das hängt zum einen mit der Vielfalt in der gewählten Methodik und Operationalisierung der Effekte zusammen. Zum anderen unterscheiden sich international die strukturellen, kulturellen und institutionellen Voraussetzungen für Gemeindefusionen erheblich. All den Untersuchungen ist gemeinsam, dass sie sich auf ausgewählte Aspekte von Gemeindefusionen fokussieren. Um die Frage nach Fusionseffekten im Schweizer Kontext umfassend zu beantworten, ist u.E. aber ein gesamtheitlicher Ansatz notwendig. Diese Forschungslücke versucht das angewandte Forschungsprojekt «Fusions-Check» zu schliessen.

3 Konzeptionelle und methodische Grundlagen

3.1 Konzeption des «Fusions-Checks»

Der «Fusions-Check» als Messinstrument zeichnet nach, wie sich fusionierte Gemeinden über den Zeitraum vor und nach der Fusion entwickeln (vgl. Fetz & Derungs 2014). Vor der Fusion zum Zeitpunkt t = 0 ist der politische Entscheid zwar gefällt, die Gemeinden sind aber noch eigenständig. Nach der Fusion zum Zeitpunkt t = 1 ist die Fusion umgesetzt, wobei der Erhebungszeitpunkt mit der letzten konsolidierten Jahresrechnung zusammenfällt. Zwischen t = 0 und t = 1 liegen in der Regel drei bis fünf Jahre (vgl. ausführlicher zur Methodik in Ziff. 3.2).

Zu beiden Zeitpunkten werden dieselben inhaltlichen Dimensionen gemessen und daraus mögliche Fusionseffekte abgeleitet. Dabei werden in den drei Dimensionen «Wirtschaftliche Kriterien» (vgl. lit. a bis d in Tabelle 1), «Qualität der Demokratie» (vgl. lit. e bis g) und «Gesellschaftliche Faktoren» (vgl. lit. h bis j) zehn übergeordnete Kriterien untersucht, die sich wiederum auf 47 Indikatoren stützen.

Tabelle 1

Kriterien und Indikatoren des «Fusions-Checks» nach Dimensionen.

Kriterien Nr. Indikator Masseinheit Daten-quellea

Dimension «Wirtschaftliche Kriterien»
a. Finanzielle Leistungsfähigkeit 1 Verwaltungsaufwand (pro Einwohner/in, netto) in CHF GB
2 Qualität der kommunalen Dienstleistungen in Skalapunkten BB
3 Selbstfinanzierungsanteil in % GB
4 Selbstfinanzierungsgrad in % GB
5 Anteil Transfer-Beiträge (NFA) (an Gesamterträgen) in % GB
6 Anteil Aufwand für interkommunale Zusammenarbeit [IKZ] (an Gesamtaufwand) in % GB
7 Bruttoverschuldungsanteil in % GB
b. Professionalität 8 Stellenprozente in Kernverwaltung in Vollzeitäquivalenten GB
9 Stellenprozente in Exekutive in Vollzeitäquivalenten GB
10 Aufwand für Beizug Dritter (an Gesamtaufwand) in % GB
11 Telefonische Erreichbarkeit/Öffnungszeiten Gemeindehaus in h GB
12 Qualität Internetauftritt in Skalapunkten BB|GB
13 Kommunikation/PR in Skalapunkten BB|GB
14 Bürokratie in Skalapunkten GB
15 Professionalität der Behörden/Mitarbeitenden der Gemeindeverwaltung in Skalapunkten BB|GB
16 Dauer der Verabschiedung der Jahresrechnung durch Legislative in Tagen GB
17 Dauer ordentliche Baubewilligungsverfahren in Tagen GB
18 Prozessdokumentation in Skalapunkten GB
19 Stellvertreterregelung in Skalapunkten GB
c. Aussenwirkung 20 Wahrnehmung der Gemeindeverwaltung und der Bevölkerung in Skalapunkten BB|GB
21 Anteil Einwohner/innen an Kantonsbevölkerung in % OFS
d. Standortattraktivität 22 Anteil Zuzüger an Gesamtbevölkerung in % OFS
23 Steuerfuss (relative Abweichung vom kantonalen Mittelwert) in Prozentpunkten OFS
24 Steuererträge natürliche Personen (pro Einwohner)/in in CHF OFS
25 Anzahl neu erstellte Gebäude mit Wohnungen (pro 1’000 Einwohner) Anzahl OFS
26 Konzentration Wohnzone Herfindahl-Index GB
27 Anzahl Kinderbetreuungsplätze pro Kind Anzahl GB
28 Anzahl neu angesiedelte und gegründete Unternehmen (pro 1’000 Einwohner)/innen Anzahl OFS
29 Wachstum Arbeitsplätze (Vollzeitäquivalente) in % OFS
30 Steuerträge juristische Personen (pro Einwohner)/in in CHF OFS
31 Konzentration Gewerbe-/Industriezone Herfindahl-Index GB
Dimension «Qualität der Demokratie»
e. Mitwirkung/Interkommunale Zusammenarbeit 32 Anzahl IKZ-Vereinbarungen Anzahl GB
33 Interesse/Teilnahme an Gemeindepolitik (Wahrnehmungsindex) in Skalapunkten BB
34 Stimmkraft pro 1’000 Einwohner/innen Zahl GB
35 Verhältnis Anzahl Unterschriften bei Referenden/Initiativen zu Anzahl der Stimmberechtigten in % GB
f. Politisches Engagement 36 Stimmbeteiligung in kommunalen Angelegenheiten in % GB
37 Anzahl Kandidierende pro Amt Anzahl GB
38 Anzahl Initiativen und Referenden Anzahl GB
g. «Filz»/«Vetternwirtschaft» 39 Politisches Vertrauen der Bevölkerung (Wahrnehmungsindex) in Skalapunkten BB
40 Anzahl Offerten pro Submission Anzahl GB
Dimension «Gesellschaftliche Faktoren»
h. Bürgernähe 41 Anteil angenommener Vorlagen des Gemeindevorstandes in % GB
42 Zufriedenheit mit politischen Behörden (Wahrnehmungsindex) in Skalapunkten BB
i. Soziale Integration 43 Anzahl Gesuche zur Durchführung einer Veranstaltung von Vereinen Anzahl GB
44 Kommunale Kulturausgaben (pro Einwohner)/in in CHF GB
j. Identifikation mit Gemeinde 45 Zufriedenheit mit dem Leben in der Gemeinde (Empfehlungsrate) in Skalapunkten BB
46 Durchschnittliche Dauer der Wohnsitznahme in Jahren GB
47 Anteil Wochenaufenthalter in % GB

a GB … Gemeindebefragung (Gemeindeschreiber/innen), BB … Bevölkerungsbefragung, OFS … Offizielle Statistik des BFS/Daten von kantonalen Gemeindeämtern.

Alle drei Dimensionen lassen sich von den Hauptargumenten bezüglich Vor- und Nachteilen von Fusionen herleiten und werden in der bestehenden Forschungsliteratur häufig diskutiert (vgl. Ziff. 2). Darauf beruht die Auswahl der Indikatoren, die im Forschungsbericht «Fusions-Check – Instrument zur Erfolgsmessung von Gemeindefusionen» (Fetz & Derungs 2014) ausführlich dargestellt sind.

Die grosse Anzahl Indikatoren ermöglicht, ein differenziertes Bild möglicher Fusionseffekte. Allerdings gilt es zu beachten, dass die Anzahl an Indikatoren je nach Kriterium schwankt. Die drei Kriterien «Filz»/«Vetternwirtschaft», «Bürgernähe» und «Soziale Integration» werden jeweils nur mit zwei Indikatoren – im Falle der Gemeinden aus dem Kanton Graubünden nur mit einem Indikator (vgl. Ziff. 3.2) – gemessen. Dies schränkt aus konzeptionellen Gründen die Generalisierbarkeit und Robustheit der Ergebnisse ein.

3.2 Daten und Methodik

Stichprobe

Für die vorliegende Untersuchung werden Daten aus insgesamt 46 verschiedenen Fusionsgemeinden aus den Kantonen Aargau (2%), Bern (24%), Glarus (6%), Graubünden (54%) und Zürich (14%) ausgewertet. Dabei wurden 177 altrechtliche Gemeinden berücksichtigt, die zwischen 2008 und 2018 fusioniert haben. Für 44 Gemeinden stehen die Auswertungen des «Fusions-Checks» zum Zeitpunkt t = 0 zur Verfügung, für 36 Gemeinden zusätzlich zum Zeitpunkt t = 1. Dabei liegen für 34 Gemeinden sowohl Daten zu t = 0 als auch gleichzeitig für t = 1 vor. Die untersuchten Fusionsgemeinden lassen sich anhand der fünf Merkmale Gemeindegrösse, Fusionstyp, Gemeindetypologie, Anzahl beteiligter Gemeinden und Fusionszeitpunkt klassifizieren (vgl. Tabelle 2).

Tabelle 2

Stichprobe der Gemeinden nach Gruppenmerkmalen.

Gruppe Kategorien Anzahl N Anteile, in %

Kanton AG 1 2.2%
BE 8 17.4%
GL 3 6.5%
GR 27 58.7%
ZH 7 15.2%
Gesamt 46 100.0%
Gemeindegrösse Grossgemeinde (>5’000 Einwohner/innen) 9 19.6%
Mittlere Gemeinde (1’500–5’000 Einwohner/innen) 26 56.5%
Kleingemeinde (<1’500 Einwohner/innen) 11 23.9%
Gesamt 46 100.0%
Fusionstyp2 Eingemeindung 29 63.0%
Partnerfusion 17 37.0%
Gesamt 46 100.0%
Gemeindetypologie Ländliche periphere Gemeinde 19 41.3%
Ländliche Zentrumsgemeinde/zentral gelegene Gemeinde 12 26.1%
Städtische und periurbane Gemeinde 15 32.6%
Gesamt 46 100.0%
Anzahl beteiligter Gemeinden Grossfusion (>5 Gemeinden) 9 19.6%
Mittlere Fusion (3 bis 5 Gemeinden) 15 32.6%
Kleinfusion (2 Gemeinden) 22 47.8%
Gesamt 46 100.0%
Fusionszeitpunkt Fusioniert seit 1 bis 3 Jahren 15 32.6%
Fusioniert seit 4 bis 6 Jahren 15 32.6%
Fusioniert seit mehr als 6 Jahren 16 34.8%
Gesamt 46 100.0%

Der Auswahl der Kantone und der fusionierten Gemeinden kommt für die Interpretation der Ergebnisse eine hohe Bedeutung zu. In der Stichprobe sind ländliche Kantone stark vertreten. Die Kantone Aargau, Bern, Glarus, Graubünden und Zürich haben das Forschungsprojekt «Fusions-Check» (2014) und die Einzeluntersuchung der jeweils seit 2008 durchgeführten Gemeindefusionen finanziert. In diesem Sinne liegt für die beteiligten Kantone (fast) eine Vollerhebung, in Bezug auf die ganze Schweiz allerdings keine zufällige Stichprobenziehung vor. Auch ist festzuhalten, dass aufgrund der beschränkten Fallzahl eher Trendaussagen zu erwarten sind und bei Verallgemeinerungen der Ergebnisse Vorsicht geboten ist.

Mit Ausnahme von vier Pilot-Gemeinden wurde in allen untersuchten Gemeinden eine Bevölkerungsbefragung durchgeführt. Hierzu liegt ein Datensatz mit N = 10‘908 Personen vor, die mögliche Fusionseffekte in ihrer Gemeinde bewertet haben. Sie repräsentieren im Zeitpunkt t = 0 insgesamt eine Stimmbevölkerung von 89‘903 Personen resp. eine Gesamtbevölkerung von 128‘375 Einwohner/innen (vgl. Tabelle 3). Zum Zeitpunkt t = 1 betrug die Gesamtbevölkerung 133‘828 Personen (Ausschöpfungsquote in Tabelle 3 nicht separat dargestellt).

Tabelle 3

Stichprobe der Bevölkerungsbefragung nach Gemeinden.

Nr. Fusionierte Gemeinde Kanton Zeitpunkt der Fusion Grundgesamtheit Anzahl Stimmberechtigte (t = 0) Stichprobe Anzahl Personen (t = 0) Ausschöpfungsquote in % Empfohlene Ausschöpfungsquote b in %

1 Mettauertal AG 01.01.2010 a
2 Ersigen BE 01.01.2016 1’562 17 1.09% 5.83%
3 Grosshöchstetten BE 01.01.2018 3’116 158 5.07% 3.02%
4 Kallnach (1. Fusion) BE 01.01.2013 a
5 Kallnach (2. Fusion) BE 01.01.2019 1’672 117 7.00% 5.44%
6 Kirchdorf BE 01.01.2016 1’374 70 5.09% 6.55%
7 Münsingen (Tägertschi)c BE 01.01.2017 310 12 3.87% 23.87%
8 Rapperswil BE 01.01.2014 1’983 90 4.54% 4.64%
9 Seeberg BE 01.01.2016 1’190 66 5.55% 7.48%
10 Glarus GL 01.01.2011 7’881 170 2.16% 1.21%
11 Glarus Nord GL 01.01.2011 10’666 229 2.15% 0.90%
12 Glarus Süd GL 01.01.2011 7’108 222 3.12% 1.34%
13 Albula/Alvra GR 01.01.2015 1’013 162 15.99% 8.69%
14 Andeer GR 01.01.2009 654 109 16.67% 12.84%
15 Arosa GR 01.01.2013 2’314 380 16.42% 4.02%
16 Bregaglia GR 01.01.2010 1’212 224 18.48% 7.43%
17 Calanca GR 01.01.2015 155 27 17.42% 38.71%
18 Cazis GR 01.01.2010 1’413 232 16.42% 6.37%
19 Churwalden GR 01.01.2010 1’389 245 17.64% 6.48%
20 Davos GR 01.01.2009 7’129 971 13.62% 1.33%
21 Domleschg GR 01.01.2015 1’475 286 19.39% 6.17%
22 Ferrera GR 01.01.2008 65 9 13.85% 61.54%
23 Grüsch GR 01.01.2011 1’320 288 21.82% 6.82%
24 Ilanz/Glion GR 01.01.2014 3’369 567 16.83% 2.79%
25 Klosters-Serneus GR 01.01.2016 3’132 483 15.42% 3.00%
26 Landquart GR 01.01.2012 5’546 857 15.45% 1.71%
27 Lumnezia GR 01.01.2013 1’808 187 10.34% 5.09%
28 Luzein GR 01.01.2016 1’159 139 11.99% 7.68%
29 Obersaxen Mundaun GR 01.01.2016 858 158 18.41% 10.14%
30 Safiental GR 01.01.2013 730 137 18.77% 11.64%
31 Scuol GR 01.01.2015 3’066 608 19.83% 3.07%
32 Surses GR 01.01.2016 1’741 369 21.19% 5.28%
33 Trimmis GR 01.01.2008 2’218 306 13.80% 4.19%
34 Trun GR 01.01.2012 1’005 92 9.15% 8.76%
35 Tschiertschen-Praden GR 01.01.2009 253 33 13.04% 27.67%
36 Val Müstair GR 01.01.2009 1’330 212 15.94% 6.77%
37 Vals GR 01.01.2015 743 95 12.79% 11.57%
38 Valsot GR 01.01.2013 674 110 16.32% 12.61%
39 Zernez GR 01.01.2015 1’090 176 16.15% 8.17%
40 Bauma ZH 01.01.2015 a
41 Sternenberg ZH 01.01.2015 a
42 Elgg (Hofstetten)c ZH 01.01.2018 360 109 30.28% 21.11%
43 Horgen (Hirzel)c ZH 01.01.2018 1’492 639 42.83% 6.10%
44 Illnau-Effretikon (Kyburg)c ZH 01.01.2016 290 110 37.93% 25.17%
45 Stammheim ZH 01.01.2019 2’021 726 35.92% 4.55%
46 Wädenswil (Schönenberg und Hütten)c ZH 01.01.2019 2’017 711 35.25% 4.56%
Total 89’903 10’908 15.60% 9.82%

Anmerkung:

a Für die Pilot-Gemeinden (N = 4) wurde in der konzeptionellen Testphase auf eine Bevölkerungsbefragung aus Aufwandgründen verzichtet. Es liegen deshalb nur Daten aus offiziellen Statistiken und der Gemeindebefragung vor. Diese werden – wo möglich – in die Analyse einbezogen, um die Ergebnisse breiter abzustützen.

b Die empfohlene Ausschöpfungsquote gibt an, wie viele Antworten resp. Personen im Verhältnis zur Grundgesamtheit notwendig sind, damit ein Grenzwert (Stichprobenfehler) von 10% eingehalten und ein Vertrauensintervall von 95% erreicht wird.

c Die Bevölkerungsbefragung wurde nur in der «eingemeindeten» Fraktion der neu fusionierten Gemeinde durchgeführt (in Klammern, Ausschöpfungsquote bezieht sich auf die Fraktion). Dies ist auf die untergeordnete Bedeutung der Fusion für die neue Gesamtgemeinde und dem unverhältnismässig hohen Aufwand für die Datenerhebung zurückzuführen. In allen anderen Fällen wurde die Bevölkerung in allen altrechtlichen Gemeinden befragt.

Die Ausschöpfungsquoten in den untersuchten Fusionsgemeinden reichen von bescheidenen 1.09% in der Gemeinde Ersigen bis zu 42.83% in Hirzel als Fraktion der Gemeinde Horgen (vgl. Tabelle 3). Im Durchschnitt beträgt die Ausschöpfungsquote ansprechende 15.60%. Zudem ist anzumerken, dass in 81% der Fälle eine genügend grosse Stichprobe vorliegt, um statistisch valide Aussagen zu machen. Wo dies nicht gegeben ist, handelt es sich oft um Kleinstgemeinden (z.B. Gemeinde resp. Fraktion Tägertschi, Calanca, Ferrera oder Tschiertschen-Praden). Aufgrund der relativen Bedeutung sollte dies das Gesamtbild kaum beeinflussen und die Resultate belastbare Rückschlüsse auf die Wahrnehmung der Bevölkerung erlauben. Trotzdem lässt sich nicht auszuschliessen, dass die Ergebnisse aus den Bevölkerungsbefragungen vereinzelt einseitig verzerrt sind. Dazu liegen aber keine statistischen Anhaltspunkte vor.

Daten und Datenerhebung

In Hinblick auf aussagekräftige Ergebnisse sind der Umfang und die Qualität der Daten für den «Fusions-Check» entscheidend. Um das Risiko fehlerhafter oder unvollständiger Daten zu verringern, verwendet der «Fusions-Check» soweit als möglich bestehende Datenquellen (d.h. offizielle Statistiken des Bundes resp. der Kantone). Ergänzende Daten, die eine vertiefte Analyse erlauben, wurden direkt bei den Gemeinden resp. den Gemeindeschreiber/innen erhoben. Dazu wurde ein Fragebogen zur standardisierter Dateneingabe eingesetzt, um eine hohe Datenqualität zu gewährleisten. Aufgrund der Erfahrungen aus Pilot-Erhebungen in ausgewählten Gemeinden erwies es sich sinnvoll, die erhobenen Daten im Einzelfall zu validieren und nötigenfalls Datenlücken zu schliessen. Dabei zeigt sich, dass die verwendeten Rechnungslegungsstandards (HRM 1/HRM 2) vereinzelt das Ergebnis beeinflussen können.

Für die Qualität der Ergebnisse aus der Bevölkerungsbefragung ist deren Repräsentativität massgebend. Es wurde in allen untersuchten Gemeinden eine Vollerhebung durchgeführt und nach erfolgter Einladung zur Teilnahme über amtliche Publikationsorange ein Reminder publiziert. Die Gemeinden in den Kantonen Graubünden und Glarus wurden retroperspektiv zu t = 0 befragt. In den anderen Kantonen fanden jeweils zwei Erhebungen statt. Die Stimmberechtigten der Bündner und Zürcher Gemeinden wurde ein individueller Zugangscode zur Online-Umfrage zugestellt, ansonsten war der Online-Zugang zur Umfrage öffentlich zugänglich. Überall war es möglich, den Fragebogen auch als Print-Version zu beziehen. Der teilweise unterschiedliche Ansatz ist auf die gegebenen kantonalen und kommunalen Bedingungen zurückzuführen.

Methodik

Um die Gemeinden vor und nach der Fusion zu vergleichen, werden die altrechtlichen Gemeinden in einem ersten Schritt «virtuell» fusioniert. Dazu wurden zwei Methoden eingesetzt (vgl. Derungs & Fetz 2018a: 26): «Für alle Indikatoren, wo es rechnerisch möglich ist, werden die Daten der nicht-fusionierten Einzelgemeinden «virtuell» fusioniert, d.h. die Daten aufsummiert oder die Verhältniskennzahlen neu berechnet. Dies ist vor allem für die finanziellen und wirtschaftlichen Indikatoren der Gemeinden möglich. Für Indikatoren, die sich z.B. auf Einschätzungen und Wahrnehmung der Gemeindebehörden und Bevölkerung stützen, werden hingegen die Daten nach der Bevölkerungszahl der nicht-fusionierten Gemeinden gewichtet und der Durchschnitt berechnet (gewichtetes Mittel). Der so ermittelte Indikatorwert widerspiegelt damit die gewichtete «Betroffenheit» in der «virtuell» fusionierten Gemeinde».

In einem zweiten Schritt wurden die Daten der «virtuellen» (t = 0) und der fusionierten Gemeinde (t = 1) in einen Indexwert zwischen 0 und 100 Punkten umgerechnet. Diese Transformation beruht auf einer linearen Punktezuteilung. Dazu werden für jeden einzelnen Indikator die minimalen und maximalen Grenzwerte bestimmt, für die jeweils 0 resp. 100 Punkte zugeordnet wurden.3 Für den Indikator «Verwaltungsaufwand (pro Einwohner)/in» zum Beispiel entspricht der minimale Grenzwert CHF 100 einem Indexwert von 100 Punkten und der maximale Grenzwert von CHF 750 einem Indexwert von 0. Schliesslich wurden auf Basis der Indexwerte der einzelnen Indikatoren die arithmetischen Indexmittelwerte pro Kriterium berechnet. Dabei fliessen alle Indikatoren gleichwertig, d.h. ohne Gewichtung, in die Kriterien ein (Fetz & Derungs 2014).

Die deskriptive Analyse erfolgt für zehn Kriterien, wobei deren Veränderungen durch die Differenz der Mittelwerte zwischen t = 0 (N = 44 Gemeinden) und t = 1 (N = 36) ermittelt wurde. Um strukturelle Effekte zu erkennen, wurden eine einfaktoriellen ANOVA in SPSS durchgeführt. Die Analyse umfasst nur die 34 Gemeinden, für die gleichzeitig t = 0 und t = 1 Daten vorhanden sind. Dabei wurde für fünf Gruppenvariablen getestet, inwiefern sich in den einzelnen Gruppen die Indexwerte zwischen t = 0 und t = 1 signifikant unterschiedlich verändert haben. Die Normalverteilung der zehn Kriterien als abhängige Variable wurde mit dem Shapiro-Wilk-Test4 geprüft. Es liegen nur vereinzelt Verletzungen vor, so dass die Grundvoraussetzungen für das ANOVA-Verfahren gegeben sind.5

Zusätzlich wurde die Bevölkerungsbefragung im Speziellen deskriptiv ausgewertet. Für die neun Indikatoren, die sich auf die Daten aus der Bevölkerungsbefragung stützen, wurden die Veränderungen der Indexwerte gemessen. Hier umfasst der verwendete Datensatz die Antworten von N = 10‘908 Personen in t = 0 und N = 8’466 in t = 1. Abschliessend wurde wiederum eine einfaktorielle ANOVA durchgeführt.

4 Ergebnisse

4.1 Gesamtergebnisse

Die Analyse der wirtschaftlichen, demokratischen und gesellschaftlichen Effekte von Gemeindefusionen beruht auf einem Vergleich der Indexwerte in den zehn untersuchten Kriterien zwischen dem Zeitpunkt t = 0 («vor Fusion») und t = 1 («nach Fusion»). Daraus lassen sich die Veränderungen feststellen. Abbildung 2 zeigt die ungewichteten Mittelwerte der Indexwerte, d.h. alle 46 Gemeindefusionen fliessen ungeachtet der Bevölkerungsstärke der Fusionsgemeinden gleich stark ein.

Abbildung 2 

Effekte von Gemeindefusionen nach 10 Kriterien.

Im Ergebnis zeigen sich auf Stufe «Kriterien» eine positive Veränderung bei sieben Kriterien und eine negative bei drei Kriterien. Dabei entwickeln sich die «finanzielle Leistungsfähigkeit» (+5%), die «Professionalität» (+14%) und die «Aussenwirkung» (+18%) positiv. Auch die «Standortattraktivität» (+10%), die «soziale Integration» (+13%) und die «Identifikation mit der Gemeinde» (+5%) gehören dazu. Dies ist eher überraschend, weil hier zu erwarten wäre, dass es länger dauert, bis sich eine Veränderung in den Daten zeigt. Umgekehrt ist eine Abnahme des «politischen Engagements» (–10%) und der «Bürgernähe» (–3%) festzustellen. Die Ergebnisse sind grossmehrheitlich robust, auch wenn Indexwerte pro Kriterium nach Bevölkerung der Fusionsgemeinden gewichtet oder die ungewichteten Mittelwerte mit paarweisen Vergleichen berechnet werden (hier nicht dargestellt).

Die folgende Detailanalyse zeichnet ein differenzierteres Bild und stellt die relative Verteilung der Veränderungen in Indexpunkten dar (vgl. Abbildung 3). So stieg beispielsweise die finanzielle Leistungsfähigkeit in 24% der untersuchten Gemeinden um mehr als +10 Indexpunkte, in 29% veränderte sie sich zwischen +2 und +10 Indexpunkten, in 12% blieb sie unverändert und in je 18% sank die finanzielle Leistungsfähigkeit um –2 bis –10 resp. um mehr als 10 Indexpunkte. Analog sind die Angaben zu den übrigen Kriterien zu lesen.

Abbildung 3 

Effekte von Gemeindefusionen nach Häufigkeiten der Veränderungen (in Punkten).

Die Ergebnisse zeigen für die Mehrheit der untersuchten Fusionsgemeinden eine zunehmende Professionalisierung in der Behörden- und Verwaltungstätigkeit, eine verbesserte Wahrnehmung und stärkere Position der Gemeinden innerhalb des Kantons sowie eine höhere Standortattraktivität. Es fällt auf, dass zum einen das politische Engagement in 59% aller Fusionsgemeinden nach der Fusion mehr oder weniger deutlich abnimmt (–2 bis –10 und mehr als –10 Indexpunkte). Zum anderen sind in einigen Untersuchungskriterien die Anteile an Gemeinden, die sich tendenziell positiv und negativ entwickelten, ausgeglichen. Dies trifft vor allem auf die Mitwirkung/IKZ (47% vs. 44%), die soziale Integration (47% vs. 35%) und bedingt auch auf die finanzielle Leistungsfähigkeit zu (53% vs. 36%). Des Weiteren scheint insbesondere die Identifikation mit der Gemeinden ausnehmend stabil zu sein. 62% aller Gemeinden zeigen hier keine wesentlichen Veränderungen (± 2 Indexpunkte). Ähnliches gilt auch für die Bürgernähe und die Verflechtung von lokaler Politik und Wirtschaft («Filz»/«Vetterliwirtschaft»), obschon bei einem wesentlichen Anteil der Gemeinden eine leichte Verschlechterung auftritt (44% resp. 38%).

In der ANOVA interessiert, ob strukturelle Merkmale der fusionierten Gemeinden die Veränderungen in den Indexwerten erklären können. Untersucht wurde der Einfluss der Gemeindegrösse, des Fusionstyps (Eingemeindung, Partnerfusion), der Gemeindetypologie (ländliche periphere Gemeinde, ländliche Zentrumsgemeinde/zentral gelegene Gemeinde, städtische und periurbane Gemeinde) und der Anzahl der an der Fusion beteiligten Gemeinden (> 5 Gemeinden, 3 bis 5 Gemeinden, 2 Gemeinden) sowie dem Fusionszeitpunkt (fusioniert seit 1 bis 3 Jahren, seit 4 bis 6 Jahren, seit mehr als 6 Jahren). Dazu wurde eine einfaktorielle ANOVA durchgeführt, um zu analysieren, inwiefern sich die Indikatoren zwischen t = 0 und t = 1 verändert haben. Die statistisch signifikanten Ergebnisse sind in der Tabelle 4 im Anhang dargestellt.

Aus den tabellarischen Ergebnissen wird ersichtlich, dass sich in Gemeinden, die sich einer grossen Gemeinde angeschlossen haben, die Professionalität am stärksten erhöhte. Dies trifft auch auf Partnerfusionen im Vergleich zu Eingemeindungen zu. Auch hat die Grösse der fusionierten Gemeinde und die Anzahl an einer Fusion beteiligten Gemeinden einen positiven Effekt auf die Aussenwirkung. Die Standortattraktivität wiederum hängt vom Zeitpunkt der Fusion ab: Je länger eine Fusion bereits in Kraft getreten ist, desto wahrscheinlicher ist eine positive Entwicklung der Standortbedingungen. Die Mitwirkung/IKZ ist in mittleren Gemeinden zurückgegangen, während diese in kleinen Gemeinden stagnierte und sich in grossen verbesserte. Gleiches gilt für städtische und urbane Gemeinden im Vergleich zu ländlichen Gemeinden. Ausserdem fällt auf, dass das politische Engagement in Eingemeindungen gestiegen und in Partnerfusionen gesunken ist. Der umgekehrte Fall ist bei der sozialen Integration festzustellen. Die Bürgernähe hingegen hängt partiell von der Gemeindegrösse ab, wobei mittlere Gemeinden sich leicht unterdurchschnittlicher entwickelt haben als kleine und grosse. Ausserdem hat sich die Identifikation in ländlichen (Zentrums-)Gemeinden kaum verändert, währendem diese in städtischen und urbanen Gemeinden gestiegen ist. Für die Kriterien «Finanzielle Leistungsfähigkeit» und «Filz/Vetterliwirtschaft» sind keine signifikanten Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen festzustellen und deshalb in der Tabelle 5 nicht dargestellt.

4.2 Bevölkerungsbefragung im Speziellen

Der «Fusions-Check» berücksichtigt – neben gemeindeeigenen Daten und Datensätzen der Kantone und des Bundesamtes für Statistik – zusätzlich Umfragedaten bei der Bevölkerung. Diese fliessen in die Berechnung von neun Indikatoren ein, können aber auch separat ausgewertet werden. Dies lässt es zu, die Perspektive der von Gemeindefusionen betroffenen Bevölkerung im Speziellen und die wahrgenommenen Veränderungen vertieft zu untersuchen. Die untersuchten Indikatoren decken zum einen Aspekte der Gemeindeverwaltung und ihrer Leistungsfähigkeit ab, namentlich die Qualität der kommunalen Dienstleistungen, die Qualität des Internetauftritts und der Kommunikation/PR sowie die Professionalität der Behörden resp. Mitarbeitenden der Gemeindeverwaltung. Zum anderen schliessen die Indikatoren die Aussenwirkung der Gemeinde und persönliche Befindlichkeiten der Bevölkerung ein. Dazu zählen das Interesse und Teilnahme an der Gemeindepolitik, das politische Vertrauen und die Zufriedenheit mit den politischen Behörden sowie die Zufriedenheit mit dem Leben in der Gemeinde (vgl. Abbildung 4).

Abbildung 4 

Bevölkerungsbefragung – Veränderung in der Wahrnehmung ausgewählter Aspekte.

Insgesamt ergeben sich kurz- bis mittelfristig kaum Veränderungen in der Wahrnehmung der Bevölkerung. Mit Ausnahme der Qualität des Internetauftritts und der Aussenwirkung, deren Mittelwerte der Wahrnehmungsindices – gemessen mit einer Likert-Skala von 1 = gering/tief bis 4 = hoch/gross – sich um +5% erhöht haben, sind in den anderen Indikatoren geringfügige Verschlechterungen zwischen –1% und –2% festzustellen. Dies ändert sich wenig, wenn die Mittelwerte mit den Durchschnittswerten der 46 einzelnen Gemeindefusionen berechnet werden.

Analog zur Analyse der Gruppenunterschiede auf Stufe der Kriterien lässt sich nun der Einfluss der strukturellen Merkmale auf die wahrgenommenen Veränderungen der Bevölkerung analysieren. Dazu wurde wiederum eine einfaktorielle ANOVA angewandt, wobei die reduzierte Stichprobe mit N = 34 Gemeinden und Antworten von N = 8‘366 Personen in t = 0 resp. N = 8‘466 in t = 1 verwendet wurde. In der Tabelle 5 im Anhang sind die statistisch signifikanten Ergebnisse dargestellt (p < 0.05).

Die Ergebnisse aus der ANOVA zeigen lediglich in 10 von 45 möglichen Fällen, dass die Strukturmerkmale der Fusionsgemeinden für die Veränderung der Indikatoren aus der Bevölkerungsbefragung statistisch relevant sind. Zudem unterscheiden sich die Gruppenmittelwerte pro Indikator und Strukturmerkmal in der Regel eher geringfügig. Es lässt sich allerdings feststellen, dass sich die Qualität des Internetauftritts in kleineren und mittleren Gemeinden unter 5‘000 Einwohner/innen deutlicher verbessert hat als in grösseren Gemeinden. Die Professionalität der Behörden und Gemeindemitarbeitenden verbesserte sich gemäss den Umfrageergebnissen im Falle von Partnerfusionen und Fusionen, die seit mehr als sechs Jahren in Kraft traten, stärker als in den anderen Gruppen. Auch nimmt das Interesse und die Teilnahme an der Gemeindepolitik unmittelbar nach der Fusion tendenziell ab, bevor es im Laufe der Zeit wieder ansteigt. Ähnliches gilt für das politische Vertrauen der Bevölkerung, wobei sich dieses in grösseren Gemeinden mit über 5‘000 Einwohnern nach der Fusion signifikant erhöhte. Dieses Muster zeigt sich ebenso in der Zufriedenheit der Bevölkerung mit den Behörden. Dieses hat sich in Grossgemeinden, bei Partnerfusionen und länger zurückliegenden Fusionen positiver entwickelt. Schliesslich stieg die Zufriedenheit mit dem Leben in der Gemeinde im städtisch-periurbanen Raum stärker als in ländlichen Gemeinden. Ob es sich dabei um eine periphere oder eine Zentrumsgemeinde handelt, spielt keine signifikante Rolle. Über alle Kriterien betrachtet, sind die Veränderungen klein, wenn auch mehrheitlich leicht negativ.

5 Diskussion und Ausblick

Würdigung der Ergebnisse

Die Studie berücksichtigt die wirtschaftlichen, demokratischen und gesellschaftlichen Effekte von Gemeindefusionen mit insgesamt 47 Indikatoren in zehn Kriterien, die für 46 Fusionsgemeinden mit 177 altrechtlichen Gemeinden in fünf Kantonen erhoben wurden. Dabei fliessen Angaben von 10‘908 Personen ein, die fusionsbedingte Veränderungen in ihrer Gemeinde bewertet haben. Damit stützen sich die vorliegenden Studienergebnisse inhaltlich breit ab und erlauben eine differenzierte Standortbestimmung zu Gemeindefusionen in der Schweiz. Positive Entwicklungstendenzen sind vor allem für wirtschaftliche Kriterien, bedingt auch für gesellschaftliche Faktoren und weniger für die Qualität der Demokratie festzustellen.

Im Besonderen haben sich die fusionierten Gemeinden in den Kriterien «Professionalität», «Aussenwirkungen» und «Standortattraktivität» verbessert. Andere Studien kommen mehrheitlich zu einem ähnlichen Schluss. Im Einklang mit der internationalen Forschungsliteratur bestätigen die Ergebnisse auch die gemischte Evidenz für die Entwicklung der «finanziellen Leistungsfähigkeit». Diese hat sich hier für die Mehrheit der Gemeindefusionen verbessert, in der substanziellen Minderheit der untersuchten Gemeinden aber verschlechtert. Dabei sind mit acht Indikatoren verschiedene finanzielle Aspekte berücksichtigt – darunter auch die Qualität der Dienstleistung – und damit breit definiert. Ausserdem wird ersichtlich, dass das «Politische Engagement» und die «Bürgernähe» in der Mehrheit der Gemeinden seit der Fusion abgenommen haben. Dies stimmt mit bestehenden Studienergebnisse aus anderen Ländern weitestgehend überein, widerspricht aber teilweise den Ergebnissen aus der Befragung von Gemeindeschreiber/innen in der Schweiz. Bezüglich «Mitwirkung/Interkommunale Zusammenarbeit» und «Filz»/«Vetternwirtschaft» bleiben die Verhältnisse vor und der Gemeindefusion mehrheitlich stabil. Gleichzeitig liegen auch keine Indizien für eine markante Abnahme der «Identifikation mit der Gemeinde» und der «sozialen Integration» vor. Diese bleiben weitestgehend konstant bzw. entwickeln sich sogar leicht positiv. Die wenigen Studien hierzu sehen dies – im Unterschied zur politischen Diskussion – ähnlich. Die Analyse verschiedener Gemeindemerkmale wiederum verdeutlicht, dass die Rahmenbedingungen die untersuchten Kriterien beeinflussen, wenn auch nur punktuell. Vor allem die Grösse der neu entstandenen Gemeinde und die Konstellation der Fusionsgemeinden (Eingemeindung/Partnerfusion) spielen hierbei eine Rolle. Der Gemeindetyp, die Anzahl an der Fusion beteiligten Gemeinden sowie der Fusionszeitpunkt sind von untergeordneter Bedeutung.

Ergänzend lässt sich aus der Bevölkerungsbefragung feststellen, dass die fusionsbedingten Veränderungen gering ausfallen, wenn auch in der Mehrheit der untersuchten Indikatoren leicht negativ. Dabei fallen die Ergebnisse bei der Fragegruppe «Kommunikation/PR», «Professionalität der Behörden/Mitarbeitenden» sowie die «Zufriedenheit mit den politischen Behörden» negativ auf. Umgekehrt zeigen die wahrgenommene Aussenwirkung und die Qualität des Internetauftritts eine positive Entwicklungstendenz. Diese Ergebnisse erweitern die bisherigen Erkenntnisse aus der Forschung.

Interessanterweise scheinen sich strukturelle Merkmale der Gemeindefusionen wie die Gemeindegrösse, der Fusionstyp, der Gemeindetyp oder die Anzahl an der Fusion beteiligter Gemeinden in der Wahrnehmung der Bevölkerung nur punktuell niederzuschlagen. Dies kann darauf hindeuten, dass entweder andere Faktoren in der Beurteilung des Fusionserfolgs durch die Bevölkerung entscheidend sind oder die äusseren Rahmenbedingungen für die individuelle Wahrnehmung von fusionsbedingten Veränderungen untergeordneter Bedeutung sind. Trotz vergleichsweise geringen Unterschieden ist indes bemerkenswert, dass der Zeitfaktor in der Entwicklung einiger – v.a. lokalpolitisch geprägten – Indikatoren eine Rolle spielt. Je länger eine Gemeindefusion in Kraft ist, desto positiver haben sich das Interesse und die Teilnahme an der Gemeindepolitik, das politische Vertrauen der Bevölkerung und die Zufriedenheit mit den politischen Behörden wieder entwickelt. Das spricht dafür, dass gerade vor der Fusion emotional geführte Diskussionen für oder gegen Gemeindefusionen in der lokalen Bevölkerung Spuren hinterlassen, diese mit der Zeit aber verblassen.

Ausblick

Die Aussagekraft der vorliegenden Studie liesse sich in zukünftigen Forschungsarbeiten steigern, wenn die Datenbasis weiter ausgebaut und die Entwicklungen der Indikatoren von fusionierten mit nicht-fusionierten Referenzgemeinden verglichen würden. Mit einem sog. Difference-in-Difference-Ansatz wäre es möglich, übergeordnete Trends wie z.B. die Individualisierung oder Digitalisierung, die unter Umständen die eigentlichen Fusionseffekte verwässern, zu isolieren und statistische Kausaleffekte zwischen Kriterien und Fusion zu berechnen. Allerdings ist es methodisch herausfordernd, geeignete Referenzgemeinden zu bestimmen, und mit einem hohen Aufwand in der Datenerhebung verbunden. Deshalb werden in der vorliegenden Studie die Ergebnisse mit einer hohen Anzahl an Indikatoren abgestützt und die Fusionseffekte mit Korrelationsanalysen deskriptiv-theoretisch hergleitet, auch wenn dies die methodische und datenbedingte Limitation nicht vollständig beseitigen kann.

Die unterschiedlichen Entwicklungspfade der fusionierten Gemeinden zwischen t = 0 und t = 1 lassen zudem darauf schliessen, dass der objektiv messbare und subjektiv wahrgenommene Erfolg von Gemeindefusionen von weiteren Faktoren geprägt ist, die hier nicht untersucht wurden. Insbesondere die Umsetzung von Fusionsentscheiden mit einer gründlichen Vorbereitung, einem sorgfältigen Vollzug und einer umsichtigen Führung mit einer guten Kommunikation spielen möglicherweise eine wichtige Rolle (vgl. Fetz & Fischer 2009). Auch wäre vertieft zu untersuchen, ob und nach wie vielen Jahren in den zehn Kriterien eine Angleichung an nicht-fusionierte Referenzgemeinden stattfindet. Hierzu sind in Zukunft weitere Forschungsarbeiten angezeigt.

Zusammenfassend betrachtet halten sich die potenziellen Effekte von Gemeindefusionen – seien diese positiv oder negativ – insgesamt in Grenzen. Sowohl die Hoffnungen und Erwartungen, die mit Gemeindefusionen verknüpft werden, als auch die Ängste, sind aufgrund der vorliegenden Studienergebnisse zu relativieren. Dies zeigt sich zum einen darin, dass in der Bevölkerung die wahrgenommenen Veränderungen seit der Fusion bescheiden sind. Zum anderen sind die Effekte auf die finanzielle Leistungsfähigkeit von fusionierten Gemeinden, die auch in der Praxis und Forschung kontrovers diskutiert werden, ambivalent. Allerdings wäre es zu kurz gegriffen, den Erfolg von Gemeinden alleine auf die Finanzen zu reduzieren. Vielmehr wird deutlich, dass von Gemeindefusionen Effekte in unterschiedlichen Aspekten ausgehen und in diesem Sinn als mehrdimensional zu betrachten sind. Gendźwiłł et al. (2020:15) folgern deshalb richtigerweise: “The lesson for the academic community and policymakers is also that there is still much to be researched, especially in relation to impacts going beyond simple cost measures and the heterogeneity of the reform effects in different municipalities.”

Notes

1Dazu zählen die Kantone Aargau, Bern, Freiburg, Glarus, Graubünden, Jura, Luzern, Neuenburg, St.Gallen, Schaffhausen, Solothurn, Waadt, Wallis, Tessin und Zürich. 

2Der Fusionstyp unterscheidet zwischen Fusionen in Form von Eingemeindungen und Partnerfusionen. Im Fall der Eingemeindung «verschmilzt» die kleinere Gemeinde mit der bevölkerungsmässig deutlich grösseren (d.h. hohe Konzentration der Bevölkerung auf eine altrechtliche Gemeinde, gemessen mit korrigiertem Gini-Koeffizient > 0.5). Im Falle der Partnerfusionen werden mehrere ähnlich grosse Gemeinden zusammengelegt (d.h. gleichmässige Verteilung der Bevölkerung auf die altrechtlichen Gemeinden, gemessen mit korrigiertem Gini-Koeffizient < 0.5). 

3Die Grenzwerte beruhen – wo möglich – auf historischen Gemeindedaten für ausgewählte Stichproben von Schweizer Gemeinden (N bis zu 865 Gemeinden), namentlich auf den harmonisierten Vergleichsdaten aus der Gemeindefinanzstatistik GEFIS und anderen Statistiken des Bundes. Die Skalierung orientiert sich an den jeweiligen Mittelwerten. 

4Der Shapiro-Wilk-Test prüft die Hypothese der Normalverteilung für ein metrisch (kardinal) skaliertes Merkmal, die auch bei geringem Stichprobenumfang vergleichsweise aussagekräftig ist (Shapiro & Wilk, 1965). 

5Zudem gibt es zahlreiche wissenschaftliche Belege, dass die einfaktorielle ANOVA gegenüber einer Verletzung der Normalverteilung robust ist (u.a. Blanca et al. 2017, Salkind 2010, Schmider et al. 2010). 

6Falls der Levene-Test signifikant ist, wird der Welch-Tests eingesetzt, da in diesen Fällen die Voraussetzung der Varianzhomogenität nicht gegeben ist. Der Welch-Test ist als modifizierter t-Test zu verstehen, bei dem die Varianz der Stichproben-Mittelwertdifferenz aus den Stichprobenvarianzen ermittelt wird (Eckstein 2016: 130). 

Anhang

Tabelle 4

Effekte von Gemeindefusionen (Gruppenunterschiede mit statistischer Signifikanz) – ANOVA.

Indikator: Veränderung Gruppe a N Mean SD Test-Statistiken Effektstärke b

Professionalität Kleingemeinde (< 1500) 10 8.52 8.61 F(2, 31) = 6.577, p < .05 gross,
η² = 0.2979
Mittlere Gemeinde (1500–5000) 18 6.02 7.18
Grossgemeinde (> 5000) (***) 6 18.37 3.94
Gesamt 34 8.94 8.37
Eingemeindung 20 5.30 7.34 F(1, 32) = 12.334, p < .001 gross,
η² = 0.2782
Partnerfusion 14 14.13 7.03
Gesamt 34 8.94 8.37
Aussenwirkung Kleingemeinde (< 1500) 10 1.10 3.46 Welch-Test 6F(2, 10.911) = 3.498, p < .05 gross,
η² = 0.2749
Mittlere Gemeinde (1500–5000) 18 4.01 3.61
Grossgemeinde (> 5000) (***) 6 10.69 10.86
Gesamt 34 4.34 6.20
Kleinfusion (2 Gemeinden) 14 1.16 2.68 F(1, 32) = 6.794, p < .01 gross,
η² = 0.3047
Mittlere Fusion (3 bis 5 Gemeinden) 11 4.11 4.82
Grossfusion (> 5 Gemeinden)(*) 9 9.55 8.34
Gesamt 34 4.34 6.20
Standortattraktivität Fusioniert seit 1 bis 3 Jahren 7 –0.82 6.46 F(1, 32) = 5.642, p < .01 gross,
η² = 0.2668
Fusioniert seit 4 bis 6 Jahren (*) 12 9.55 5.46
Fusioniert seit mehr als 6 Jahren (*) 15 7.12 7.43
Gesamt 34 6.35 7.47
Mitwirkung/IKZ Kleingemeinde (< 1500) 10 –0.64 10.13 F(2, 31) = 5.305, p < .05 gross,
η² = 0.2550
Mittlere Gemeinde (1500–5000) 18 –3.56 9.58
Grossgemeinde (> 5000) (**) 6 10.74 6.55
Gesamt 34 –0.18 10.47
Ländliche periphere Gemeinde 19 –4.40 10.54 F(2, 31) = 6.782, p < .01 gross,
η² = 0.3043
Ländliche Zentrumsgemeinde 6 –0.58 7.50
Städtische und periurbane Gmd. (*) 9 9.02 5.44
Gesamt 34 –0.18 10.47
Politisches Engagement Eingemeindung 20 6.86 16.21 F(1, 32) = 17.568, p < .001 gross,
η² = 0.3544
Partnerfusion 14 –13.35 9.35
Gesamt 34 –1.46 16.96
Bürgernähe Kleingemeinde (< 1500) 10 –0.55 2.37 F(2, 31) = 3.854, p < .05 gross,
η² = 0.1991
Mittlere Gemeinde (1500–5000) 18 –2.01 3.22
Grossgemeinde (> 5000) (**) 6 1.69 2.43
Gesamt 34 –0.93 3.12
Soziale Integration Eingemeindung 20 –5.59 18.37 F(1, 32) = 12.982, p < .001 gross,
η² = 0.2886
Partnerfusion 14 23.76 29.19
Gesamt 34 6.49 27.29
Identifikation mit der Gemeinde Ländliche periphere Gemeinde 19 1.02 4.56 F(1, 32) = 6.189, p < .01 gross,
η² = 0.2853
Ländliche Zentrumsgemeinde 6 –0.59 1.52
Städtische und periurbane Gmd. (***) 9 8.73 9.55
Gesamt 34 2.77 6.88

a Nach Post-Hoc-Tests (Mehrfachvergleich mit Tukey-HSD) Mittelwert auf p < .05 signifikant verschieden, wobei (*) nur im Vergleich zur erst genannten Gruppe, (**) nur im Vergleich zur zweit genannten Gruppe und (***) im Vergleich zur ersten und zweiten Gruppe.

b Effektstärke nach Cohen (1988) für Eta2: 0.01 = schwacher Effekt, 0.06 = mittlerer Effekt, 0.14 = starker Effekt.

Tabelle 5

Bevölkerungsbefragung (Gruppenunterschiede mit statistischer Signifikanz) – ANOVA.

Indikator: Veränderung Gruppe a N Mean SD Test-Statistiken Effektstärke b

Qualität Internetauftritt Kleingemeinde (< 1500) 10 0.30 0.18 Welch-Test F(2, 11.508) = 5.100, p < .05 gross,
η² = 0.4346
Mittlere Gemeinde (1500–5000) 18 0.32 0.20
Grossgemeinde (> 5000) (***) 6 –0.20 0.37
Gesamt 34 0.22 0.30
Professionalität der Behörden und Mitarbeitenden Eingemeindung 20 –0.02 0.09 F(1, 32) = 4.906, p < .05 mittel, η² = 0.1329
Partnerfusion 14 0.05 0.08
Gesamt 34 0.01 0.09
Fusioniert seit 1 bis 3 Jahren 7 –0.06 0.09 F(2, 31) = 3.417, p < .05 gross,
η² = 0.1806
Fusioniert seit 4 bis 6 Jahren 12 0.02 0.08
Fusioniert seit mehr als 6 Jahren (*) 15 0.04 0.09
Gesamt 34 0.01 0.09
Interesse und Teilnahme an Gemeindepolitik Fusioniert seit 1 bis 3 Jahren 7 –0.10 0.14 F(2, 31) = 3.975, p < .05 gross,
η² = 0.2041
Fusioniert seit 4 bis 6 Jahren 12 –0.07 0.09
Fusioniert seit mehr als 6 Jahren (*) 15 0.01 0.06
Gesamt 34 –0.04 0.10
Politisches Vertrauen der Bevölkerung Kleingemeinde (< 1500) 10 –0.02 0.12 F(2, 31) = 5.2531, p < .05 gross,
η² = 0.2531
Mittlere Gemeinde (1500–5000) 18 –0.08 0.10
Grossgemeinde (> 5000) (**) 6 0.10 0.14
Gesamt 34 –0.03 0.13
Fusioniert seit 1 bis 3 Jahren 7 –0.12 0.06 F(2, 31) = 3.447, p < .05 gross,
η² = 0.1819
Fusioniert seit 4 bis 6 Jahren 12 –0.05 0.11
Fusioniert seit mehr als 6 Jahren (*) 15 0.02 0.15
Gesamt 34 –0.03 0.13
Zufriedenheit mit politischen Behörden Kleingemeinde (< 1500) 10 –0.02 0.07 F(2, 31) = 4.463, p < .05 gross,η² = 0.2235
Mittlere Gemeinde (1500–5000) 18 –0.07 0.10
Grossgemeinde (> 5000) (**) 6 0.08 0.16
Gesamt 34 –0.03 0.12
Eingemeindung 20 –0.06 0.09 F(1, 32) = 5.208, p < .05 mittel, η² = 0.1399
Partnerfusion 14 0.02 0.13
Gesamt 34 –0.03 0.12
Fusioniert seit 1 bis 3 Jahren 7 –0.12 0.04 F(2, 31) = 4.304, p < .05 gross,
η² = 0.2173
Fusioniert seit 4 bis 6 Jahren 12 –0.03 0.08
Fusioniert seit mehr als 6 Jahren (*) 15 0.02 0.14
Gesamt 34 –0.03 0.12
Zufriedenheit mit Leben in der Gemeinde Ländliche periphere Gemeinde 19 0.01 0.07 F(2, 31) = 4.482, p < .05 gross,
η² = 0.2242
Ländliche Zentrumsgemeinde 6 –0.02 0.05
Städtische und periurbane Gmd. (**) 9 0.08 0.07
Gesamt 34 0.02 0.07

a Nach Post-Hoc-Tests (Mehrfachvergleich mit Tukey-HSD) Mittelwert auf p < .05 signifikant verschieden, wobei (*) nur im Vergleich zur erst genannten Gruppe, (**) nur im Vergleich zur zweit genannten Gruppe und (***) im Vergleich zur ersten und zweiten Gruppe.

b Effektstärke nach Cohen (1988) für Eta2: 0.01 = schwacher Effekt, 0.06 = mittlerer Effekt, 0.14 = starker Effekt.

Konkurrierende Interessen

Die Autorinnen und Autoren haben keine konkurrierenden Interessen zu erklären.

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